Kumpel Laith Al-Deen in der Muffathalle München

Ein Konzert unter Freunden. Diesen Eindruck vermittelte Laith Al-Deen bei seinem gestrigen Konzert in der Münchner Muffathalle. Der Musiker war die stützende Schulter und der mahnende Zeigefinger zugleich.

Laith Al-Deen München
Laith Al-Deen trat als Kumpel auf die Bühne.
©SchlagerPlanet/Melanie Gladbach

Ein echter Kumpel – Mit Laith Al-Deen erlebte der Zuschauer gestern Abend die Höhepunkte und Tiefschläge einer echten Freundschaft. Der mahnende Zeigefinger wurde erhoben und direkte Worte ausgesprochen. Aber auch Momente der Begeisterung teilen Freunde miteinander. Kann aus dieser Freundschaft auch Liebe werden?

Den Abend eröffnete Alex Diehl. Der noch aufstrebende Musiker war sichtlich berührt, von den Tausendschaften, die sich vor ihm in der Münchner Muffathalle auftaten. Sechs Lieder gab er zum Besten – wie die „Zugabe“-Parolen aus dem Publikum verrieten, war das wohl etwas zu wenig. Mit seinen Scherzen und persönlichen Anekdoten erschien er wie ein alter Bekannter: „Ihr fragt Euch bestimmt alle, was jetzt los ist! Ob Laith etwas zugenommen hat und was das alles hier soll!“ Nachdem er mit „Weitergehen“ die Bühne räumte, machte sich im Publikum ein Gespräch über den Musiker breit. Und es ging nicht etwa um sein groß beworbenes Übergrößenjackett: „Ich kannte ihn vorher gar nicht. Aber ich fand es richtig gut. Vielleicht hole ich mir später noch die CD“, verriet eine Frau SchlagerPlanet.

Die Beschränkung aufs Wesentliche

Schon bald sollte Kumpel Laith Al-Deen die Bühne entern. Der tosende Applaus trug ihn auf die Bühne und setzte ihn im Zentrum dieser ab. „Ihr habt Euch gut gehalten!“, teilte er dem Münchner Publikum nach einigen Songs mit. „Ich erkenne Euch alle wieder!“

Laith Al-Deen München
Das Bühnenbild von Laith Al-Deen beschränkte sich auf eine Lichtshow.
©SchlagerPlanet/Melanie Gladbach

Das Bühnenbild beschränkte sich aufs Wesentliche: keine großen Projektionen, Filme oder Animationen. Aber wer braucht das schon, wenn man mit seinem Kumpel auf der Couch sitzt. Die verschiedenen Lichtinstallationen waren mal Blut, mal der Blues, mal Nebelschwaden und manchmal die aufgehende Sonne. Immer abgestimmt auf die enthusiastischen, aber auch ruhigen Gesänge des gebürtigen Karlsruhers.

Gemeinsame Höhepunkte

Doch allein eine entspannte Atmosphäre macht keine Freundschaft aus: Gemeinsame Höhepunkte, gemeinsame Erlebnisse mussten her. Mit seinem Opener „Was wenn alles gut geht“, dem Titelsong seines aktuellen Albums, animierte er einen Großteil des Publikums zum Tanzen. Einzelne Elemente der Musik fanden sich immer wieder: die wabernden und zum Teil lauernden Gitarren, das schwingende Klavier und die Stimme Laith Al-Deens, die wie eine Legierung die Kreation vollendete. Messing oder Gold?

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Einen wortwörtlichen Höhepunkt bildete der Song „Näher“ mit dem Laith Al-Deen die Friendzone verlassen konnte. Ein angedeutetes Hecheln und Flüstern bildeten die Grundlage für einen sexy Song, der wie ein reißender Wolf unter weidenden Schafen hervorstach.

Die mahnende Hand

Doch wie es sich für einen echten Kumpel gehört, beschränkte der Musiker sich nicht auf das Singen, sondern erhob auch den mahnenden Zeigefinger. Als er sich mitten im Publikum postierte, war es an der Zeit für ein Statement: „Wie viele Menschen ihre Probleme gegen eine Minderheit richten ist erschreckend. Das ist ziemlich scheiße,“ meinte der Halb-Iraker in Anlehnung an die Pegida-Bewegung.

Laith Al-Deen München
Laith Al-Deen erhob auch den mahnenden Zeigefinger.
©SchlagerPlanet/Melanie Gladbach

Als er dafür vorerst nur mäßigen Applaus einfuhr, ergänzte er: „Das habe ich in anderen Städten schon besser gehört.“ Er war nicht in der Muffathalle, um eine Schleimspur zu hinterlassen. Bereits zu Beginn bezeichnete er das Münchner Publikum aufgrund ihres mäßigen Bewegungsradiuses als „Bäume“. Auch im weiteren Verlauf des Konzertes schoss er den ein oder anderen spitzen Spruch aus der Hüfte, dem Körperteil, das die Münchner wohl etwas mehr hätten nutzen können.

Kann aus Freundschaft Liebe werden?

Mahnende Worte, lockere Sprüche, Nähe zum Publikum und gemeinsame Erlebnisse – es war ein Abend mit einem Kumpel. Keiner der Songs hing in seiner Präsentation den anderen hinterher, jedoch gab es auch nur wenige Lieder, die wirklich hervorstachen. Eine deutliche Marke setzten nur wenige Songs. Kein fulminanter Ausbruch, kein sich aufbäumender Höhepunkt, aber auch kein niederringender Tiefschlag prägten den Abend. Es war ein unterhaltsamer Abend mit einem talentierten guten Freund, dem man im musikalischen Sinne in die Friendzone schickt.


Autor(in) SchlagerPlanet:



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