Herbert Grönemeyer: In München geht ein Licht auf

Es werde Licht! Herbert Grönemeyer machte gestern im Rahmen seiner „Dauernd Jetzt“-Tour in München Halt. Neben intellektuellen Einwürfen und einem gemischten Programm brachte er auch seine beliebten „Herbie-Moves“ auf die Bühne.

Herbert Grönemeyer live
Herbert Grönemeyer hüpfte und rannte auch in München über die Bühne.
©Universal Music

Am Anfang war noch alles dunkel, als die Menschen in die Olympiahalle strömten und im Verlorenen tappten, um die richtige Sitzplatznummer zu finden. Gefüllt mit dem süßen Klang der Vorfreude auf die „Dauernd Jetzt“-Tour von Herbert Grönemeyer war die große Arena. Und als Herbert Grönemeyer die Bühne betrat, explodierte die ausverkaufte Halle. Doch es war eine Explosion im Dunkeln, denn auch der Sänger wählte zu Beginn die versteckte, huschende Präsenz. Seinen ersten Titel sang der 59-Jährige im jähen Dunkel. Nur seine Band, die sich mit Stecklichtern schmückte, sorgte für kleine, helle Impressionen. Immer wieder erhaschte der Zuschauer jedoch die munter tanzende Statur des Künstler, ein Vorbote für den Rest des Abends, der nicht beim Schatten- und Versteckspiel blieb.

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Licht im Dunkel

Seine aktuelle Single „Fang mich an“ brachte bereits Licht ins Dunkel. Der Wahl-Bochumer verwies stolz auf einen Tanzkurs, wo man seine „Herbie-Moves“ erlernen könne. Und dieser „Herbie-Stepp“ war vielfältig und der glimmende rote Pfaden des Abends, der wohl kaum mithilfe eines einfachen VHS-Kurses erlernt werden könne. „Ich möchte, dass Ihr heute Abend auch etwas lernt“, kündigte der Sänger an und damit meinte er nicht seinen zuckenden Hüftschwung. Er sei ja etwas intellektuell unterwegs. Seine „intellektuellen“ Botschaften brachte er als Anekdoten zwischen den Songs an: von der Veränderung der Welt durch das Internet über die Pubertät von Deutschland bis hin zur Sturheit der Westfalen.

Dementsprechend sang der sture Westfale natürlich auch in Bayern seine Heimat-Hymne „Bochum“ und in der Bastion des Südens wurden VfL-Schals statt Feuerzeuge erhoben. So war es nicht verwunderlich, dass der Musiker sich pudelwohl zu fühlen schien. Auch das Publikum fühlte sich aufgehoben als Herbert Grönemeyer geschickt seine Klassiker wie „Männer“ und „Was soll das?“ zu einem fulminanten Medley verband, das erstmals die Olympiahalle geschlossen von den Stühlen riss.

Von Schattenspiel und Lichtgestalt

Schon bald setzte sich der Wahl-Bochumer mit seinem Flügel an einen der Ausläufer der Bühne. Wie Licht aus einem Fenster im Frühling fiel der Scheinwerfer auf den schwarzen Flügel, der auch die dankbar erhobenen Smartphones widerspiegelte. Es waren intime Momente, als er die Ballade „Der Weg“ anstimmte. Als sei er alleine auf dieser Welt klang seine Stimme durch die erfüllte Halle, als lese er sich selbst beim Licht einer Kerze eine Geschichte vor. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei seiner Neuinterpretation des Klassikers „Flugzeuge im Bauch“, die sich auf Kontrabass, Klavier und Akustikgitarre beschränkte.

Nach rund eineinhalb Stunden verließ der Schwarzgekleidete erstmals die Bühne. Schwarz war nun auch wieder die Halle und die Zuschauer blieben geblendet von der Lichtgestalt Grönemeyer und mit wässrigen Mäulern zurück. Natürlich kehrte der Sänger wieder, um Titel wie „Morgen“ oder „Ich dreh mich um Dich“ anzustimmen. Je länger das Konzert andauerte desto mehr sonnte sich der Musiker im Applaus seines Publikums. Doch er wollte auch von diesem etwas Bewegung sehen und vermeiden, dass der Abend „einfach so wegschlabbert“. Deshalb stimmte er die WM-Hymne „Zeit, dass sich was dreht“ an und bot als letzte Nummer eine mit Tanzbeats unterlegte Version von „Fang mich an“.

Am gestrigen Abend brachte Herbert Grönemeyer selbst viel Kritik an seiner Performance an. „Ich singe relativ viel falsch, aber ich bin gut drauf!“ Nach rund zweieinhalb Stunden „Herbie-Moves“, intimen Momenten und einer Konfettibombe, die es wirklich nicht gebraucht hätte, verließ der Sänger endgültig die Bühne. Von den einzelnen, kargen Lichtern im Publikum über die ersten Sonnenstrahlen im Frühling bis hin zur Discokugel, die sich zum Fixstern wandelte: Bei Herbert Grönemeyer in der Olympiahalle ging so manchem ein Lichtlein auf.

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Autor(in) SchlagerPlanet:



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